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80 Prozent produktiver – doch beim KI-ROI kommen Unternehmen kaum voran

1. Sept.
3 Min. Lesezeit

Unternehmen skalieren künstliche Intelligenz immer stärker, doch der finanzielle Effekt hält mit der Verbreitung nicht Schritt. Laut McKinseys „State of AI 2026“ berichten 80 Prozent der Befragten von einer höheren persönlichen Produktivität durch KI. Einen positiven Beitrag zum EBIT sehen dagegen weiterhin nur 37 Prozent. Gleichzeitig gewinnen KI-Agenten und Coding-Agenten an Bedeutung.



Foto: McKinsey
Foto: McKinsey

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst über die Experimentierphase hinaus. Fast neun von zehn Befragten geben an, dass ihre Organisation KI regelmäßig in zumindest einer Geschäftsfunktion einsetzt. 44 Prozent berichten mittlerweile von einer Skalierung über das Unternehmen hinweg – sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Auch die Breite der Nutzung nimmt zu: Der Anteil der Unternehmen, die KI in mindestens drei Funktionen einsetzen, stieg von 51 auf 56 Prozent.


Die aktuelle McKinsey-Erhebung zeigt damit eine zunehmende Verankerung von KI im Unternehmensalltag. Gleichzeitig macht sie eine Diskrepanz sichtbar: Während Mitarbeiter bereits deutliche Effekte auf ihre eigene Arbeit wahrnehmen, entwickelt sich der messbare finanzielle Nutzen für die Unternehmen wesentlich langsamer.



80 Prozent sehen Produktivitätsgewinn


Besonders deutlich zeigt sich dieser Unterschied bei der persönlichen Produktivität. 80 Prozent der Befragten, die KI bei ihrer Arbeit nutzen, geben an, dadurch produktiver geworden zu sein. Rund die Hälfte berichtet zudem, mithilfe von KI bessere Entscheidungen zu treffen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Die positiven Effekte zeigen sich laut Studie über verschiedene Hierarchieebenen hinweg.

Auf Unternehmensebene lässt sich dieser Effekt allerdings noch nicht im gleichen Ausmaß finanziell ablesen. 37 Prozent der Befragten schreiben KI einen positiven Beitrag zum EBIT ihres Unternehmens zu. Dieser Wert ist gegenüber 2025 praktisch unverändert geblieben, obwohl inzwischen mehr Unternehmen KI-Technologien skalieren. Nur rund sechs Prozent der Befragten zählen zu den von McKinsey definierten „AI High Performers“. Dazu gehören Unternehmen, die mindestens fünf Prozent ihres EBIT auf den KI-Einsatz zurückführen und gleichzeitig von einem signifikanten Wertbeitrag sprechen.

Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschäftsbereichen. Kostensenkungen werden besonders häufig in Supply Chain Management, Service Operations und Produktion gemeldet. Umsatzsteigerungen führen die Befragten dagegen am häufigsten auf KI-Einsatz in Marketing und Vertrieb zurück, gefolgt von Produkt- und Serviceentwicklung sowie Software Engineering.



Große Unternehmen skalieren KI-Agenten schneller


Parallel zur allgemeinen KI-Nutzung gewinnen agentische Systeme an Bedeutung. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei größeren Unternehmen mit mindestens einer Milliarde US-Dollar Jahresumsatz: 40 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe berichten, dass KI-Agenten bereits in mindestens einer Funktion skaliert werden. Im Vorjahr waren es 27 Prozent. Bei kleineren Unternehmen blieb der entsprechende Anteil mit 22 Prozent praktisch unverändert.

Auch Coding-Agenten erreichen zunehmend den produktiven Einsatz. Insgesamt befindet sich ihr Einsatz laut Studie bei rund zwei von zehn Unternehmen in der Skalierungsphase, bei größeren Unternehmen sind es 31 Prozent. Dabei könnten die Werkzeuge auch Auswirkungen auf Softwarebudgets haben: 32 Prozent der Befragten berichten, dass ihr Unternehmen auf den Kauf zumindest eines Softwareprodukts oder einer Funktion verzichtet hat, weil sich die entsprechende Funktionalität mithilfe agentischer Coding-Werkzeuge intern entwickeln ließ.

Bei den am weitesten verbreiteten KI-Werkzeugen liegen klassische Chatbots allerdings weiterhin vorne. 47 Prozent der Befragten berichten, dass diese in ihren Unternehmen bereits skaliert werden.



Kosten steigen – Investitionen trotzdem weiter


Mit der zunehmenden Nutzung rücken auch die laufenden Kosten stärker in den Fokus. Rund ein Fünftel der Befragten gibt an, dass KI-bezogene Betriebskosten – einschließlich Token-Kosten – die KI-Nutzung im Unternehmen bereits eingeschränkt haben. Bei Chatbots, KI-Agenten und Coding-Agenten berichtet jeweils ungefähr jeder Zehnte von kostenbedingten Einschränkungen.


Von einem Rückzug bei den Investitionen kann dennoch keine Rede sein. 28 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen bereits mehr als zehn Prozent seines gesamten Budgets für Informations- und Kommunikationstechnologie in KI investiert. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 60 Prozent eine weitere Erhöhung der KI-Investitionen.

Die Zahlen zeigen damit ein widersprüchliches Bild: KI wird breiter eingesetzt, KI-Agenten werden zunehmend skaliert und Mitarbeiter berichten mehrheitlich von konkreten Produktivitätsgewinnen. Auf Unternehmensebene bleibt der finanzielle Durchbruch bislang jedoch auf eine vergleichsweise kleine Gruppe konzentriert. Gerade diese Lücke zwischen individueller Produktivität und messbarem Geschäftsergebnis dürfte damit zu einer der zentralen Fragen der nächsten Phase des KI-Einsatzes werden.


it&d business Redaktion



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