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Jeder Sechste nutzt KI im Job ohne Wissen des Arbeitgebers

vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

17 Prozent der Berufstätigen in Österreich verwenden KI-Assistenten im Job ohne Wissen ihres Arbeitgebers. Ausschließlich genehmigte KI-Tools nutzen 23 Prozent, während 42 Prozent ganz auf KI verzichten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Tieto Austria und TQS Research & Consulting unter 795 Berufstätigen.



Robert Kaup, Geschäftsführer Tieto Austria (Foto: Thomas Unterberger)
Robert Kaup, Geschäftsführer Tieto Austria (Foto: Thomas Unterberger)

Künstliche Intelligenz wird in österreichischen Unternehmen zunehmend eingesetzt, allerdings nicht immer innerhalb der vom Arbeitgeber vorgesehenen Strukturen. Eine Umfrage von Tieto Austria und TQS Research & Consulting zeigt, dass 17 Prozent der Berufstätigen KI-Assistenten ohne Wissen ihres Arbeitgebers verwenden. Tieto bezeichnet diese nicht genehmigte Nutzung als „Schatten-KI“. Gleichzeitig setzt mit 42 Prozent ein großer Teil der Beschäftigten im Arbeitsalltag überhaupt keine KI ein.


Tortendiagramm „Nutzung von KI-Assistenten im Arbeitsalltag” (Infografik:Tieto)
Tortendiagramm „Nutzung von KI-Assistenten im Arbeitsalltag” (Infografik:Tieto)

Für die Erhebung wurden insgesamt 1.000 Österreicher:innen repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildung mittels Online-Interviews befragt. 795 der Befragten waren berufstätig. Zusätzlich ließ Tieto Austria 100 KI-Verantwortliche in österreichischen Mittel- und Großunternehmen mit mehr als 250 beziehungsweise mehr als 500 Beschäftigten befragen.



Fehlende Richtlinien bremsen Nutzung und fördern Schatten-KI


Ein wesentlicher Grund für den Verzicht auf KI sind fehlende Vorgaben innerhalb der Unternehmen. Rund ein Viertel der Berufstätigen, konkret 24 Prozent, verwendet derzeit keine KI-Assistenten, weil klare KI-Richtlinien im Unternehmen fehlen. Weitere 18 Prozent verzichten auf den Einsatz, weil sie den Ergebnissen verfügbarer KI-Anwendungen nicht ausreichend vertrauen.

„Der KI-Einsatz im Job schreitet schneller voran, als Arbeitgeber mithalten können. Beschäftigte wollen ihre gewohnte private KI-Nutzung auch beruflich einsetzen, um produktiver zu arbeiten. Doch bei den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen hinken heimische Unternehmen hinterher“,

sagt Robert Kaup, Geschäftsführer von Tieto Austria.


Besonders verbreitet ist die nicht genehmigte Nutzung bei jüngeren Beschäftigten. Unter den 16- bis 29-Jährigen verwenden 24 Prozent KI-Assistenten ohne Wissen des Arbeitgebers. Auch regional zeigen sich Unterschiede: Im Burgenland liegt der Anteil bei 27 Prozent, in Salzburg hingegen bei zehn Prozent.

Tieto sieht dabei insbesondere beim Umgang mit Unternehmensdaten ein Risiko. „Schatten-KI ist ein Damoklesschwert für Unternehmen: Sie treibt die Produktivität, riskiert aber Datenschutzverletzungen, sobald Mitarbeitende vertrauliche Firmendaten in öffentliche KI-Plattformen eingeben. Wer jetzt keine klaren Regeln schafft, verliert die Kontrolle“, warnt Kaup.



62 Prozent der Unternehmen setzen auf Prävention


Wie Arbeitgeber mit nicht genehmigten KI-Anwendungen umgehen, wurde in einer weiteren Befragung untersucht. Dafür wurden 100 KI-Verantwortliche aus österreichischen Mittel- und Großunternehmen befragt.

62 Prozent der Unternehmen setzen demnach auf Prävention durch klare Richtlinien und genehmigte KI-Tools. Gleichzeitig akzeptieren 19 Prozent der befragten Arbeitgeber bewusst ein Restrisiko und lassen die Nutzung nicht genehmigter KI-Anwendungen zu. Technische Maßnahmen zur Kontrolle, ob Beschäftigte unerlaubte KI-Tools einsetzen, verwenden 46 Prozent.


Balkendiagramm „Reaktion der Arbeitgeber auf Schatten-KI“ (Infografik: Tieto)
Balkendiagramm „Reaktion der Arbeitgeber auf Schatten-KI“ (Infografik: Tieto)

Die Ergebnisse zeigen damit unterschiedliche Ansätze im Umgang mit KI-Anwendungen am Arbeitsplatz. Während ein Teil der Unternehmen auf Vorgaben und freigegebene Werkzeuge setzt, wird die Nutzung nicht genehmigter Dienste nicht überall technisch kontrolliert.



KI-Nutzung unterscheidet sich nach Region und Bildungsniveau


Ausschließlich vom Arbeitgeber genehmigte KI-Assistenten verwenden 23 Prozent der österreichischen Berufstätigen. Werden jene 17 Prozent hinzugerechnet, die nicht genehmigte Anwendungen nutzen, kommt die Erhebung auf rund 40 Prozent KI-Nutzer:innen unter den Berufstätigen. Bei Männern beträgt dieser Anteil 44 Prozent, bei Frauen 36 Prozent.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern. Im Burgenland verwenden laut Umfrage 66 Prozent der Arbeitnehmer:innen KI-Assistenten. In Salzburg und Kärnten sind es jeweils 34 Prozent.


Säulendiagramm „Regionale Unterschiede bei Nutzung von genehmigten KI-Assistenten vs. Schatten-KI“ (Infografik: Tieto)
Säulendiagramm „Regionale Unterschiede bei Nutzung von genehmigten KI-Assistenten vs. Schatten-KI“ (Infografik: Tieto)

Auch das Bildungsniveau steht in der Erhebung in Zusammenhang mit der Nutzung. Unter Personen ohne Matura greifen 31 Prozent auf KI-Assistenten zurück. Bei Menschen mit Matura steigt der Anteil auf rund 53 Prozent, unter Studienabsolvent:innen auf rund 66 Prozent.


Für Tieto ergibt sich daraus vor allem Handlungsbedarf bei den organisatorischen Rahmenbedingungen. „KI-Assistenten sind in Österreichs Betrieben angekommen – aber oft durch die Hintertür. Das ist ein Warnsignal. Beschäftigte brauchen klare Richtlinien, genehmigte KI-Tools und gezielten Kompetenzaufbau. Nur so wird KI zum Produktivitätsfaktor statt zum unkontrollierten Risiko“, resümiert Kaup.

Die Zahlen machen zugleich deutlich, dass die KI-Nutzung am Arbeitsplatz noch keineswegs flächendeckend ist. Während vier von zehn Berufstätigen genehmigte oder nicht genehmigte KI-Assistenten einsetzen, verzichten 42 Prozent nach den Ergebnissen der Befragung vollständig darauf.



it&d business Redaktion



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