Wie Swarovski seine ERP-Landschaft fit für die KI-Zukunft macht
- 15. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Mit dem weltweiten Go-live von SAP Cloud ERP Private hat Swarovski einen zentralen Schritt seiner digitalen Transformation abgeschlossen. Der Kristallhersteller setzte dabei bewusst auf einen Brownfield-Ansatz, um bestehende Prozesse während der Migration weitgehend unverändert weiterzuführen. Ziel ist es, die ERP-Landschaft schrittweise zu vereinfachen und eine konsistente Datenbasis für zukünftige KI-Anwendungen zu schaffen.

Eine ERP-Migration gehört zu den komplexesten IT-Projekten eines Unternehmens. Für Swarovski war sie jedoch weit mehr als die Ablösung einer bestehenden Plattform. Die Umstellung sollte den Grundstein für eine langfristige Business Transformation legen. Dabei entschied sich das Unternehmen bewusst gegen einen vollständigen Neustart der Prozesse während der Migration. Stattdessen sollten Stabilität und Kontinuität zunächst Vorrang haben. Die Vereinfachung der Systemlandschaft erfolgt nun schrittweise nach dem erfolgreichen Go-live.
Mit dem Brownfield-Ansatz Risiken bewusst begrenzen
Für die Migration auf SAP Cloud ERP Private setzte Swarovski auf einen Brownfield-Ansatz. Die Mitarbeitenden arbeiten nach der Umstellung zunächst weiterhin mit den vertrauten Prozessen und Datenbanken. Nach Ansicht von Lea Sonderegger, Chief Digital Officer und Chief Information Officer bei Swarovski, war dies die wirtschaftlich und organisatorisch sinnvollste Entscheidung.
„Die komplette Neugestaltung parallel zur Migration wäre zu riskant und kostenintensiv gewesen. Außerdem hätte das die Projektlaufzeit erheblich verlängert.“
Der gewählte Weg bedeutete allerdings keineswegs einen geringeren Aufwand. Zwei Jahre lang bereitete Swarovski die Migration vor. Mehr als 600 Beteiligte führten rund 25.000 Tests durch. Zwei Generalproben unter strenger Governance sollten sicherstellen, dass sämtliche Funktionen und Daten für die Umstellung bereitstanden.
Für den weltweiten Go-live plante das Unternehmen ein 66-stündiges Konvertierungsfenster, in dem sämtliche globalen IT-Prozesse pausierten. Anschließend begleitete ein 24/7-Support die sogenannte Hypercare-Phase. Die Migration verlief planmäßig, sodass alle Prozesse nach Abschluss des Konvertierungsfensters wieder ohne Probleme zur Verfügung standen.
Standardisierung statt Komplexität
Mit der erfolgreichen Migration beginnt für Swarovski nun die eigentliche Weiterentwicklung der ERP-Landschaft. Im Mittelpunkt stehen die Reduzierung von Komplexität, die Konsolidierung fragmentierter Lösungen sowie die Harmonisierung von Daten. Individuelle Entwicklungen sollen dabei schrittweise durch SAP-Standardlösungen ersetzt werden. Eigene Anpassungen will das Unternehmen künftig nur dort beibehalten, wo sie einen klaren geschäftlichen Nutzen bieten.
Lea Sonderegger sieht darin einen wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung des Unternehmens.
„Die Kombination von Vereinfachung und Rückkehr zu Standardlösungen verbessert die Datenkonsistenz, sorgt für stabile, zuverlässige Prozesse und macht unsere ganze Organisation am Ende agiler.“
SAP Cloud ERP Private bildet bei Swarovski zentrale Unternehmensbereiche wie Finance, Supply Chain Management, Retail und E-Commerce auf einer gemeinsamen Plattform ab. Darüber hinaus verwaltet das System das Produktsortiment über unterschiedliche Regionen und Preisklassen hinweg und integriert Planungsergebnisse aus SAP- sowie Nicht-SAP-Systemen.
Für Sonderegger steht dabei nicht die Cloud selbst im Vordergrund.
„Die Cloud-Technologie erfüllt bei alldem für uns niemals einen Selbstzweck, sondern sie ist ein Hebel, um Effizienz, Resilienz und Innovationsfähigkeit zu steigern.“
Konsistente Daten schaffen die Grundlage für KI
Mit der neuen ERP-Plattform verfolgt Swarovski zugleich das Ziel, Künstliche Intelligenz stärker in Geschäftsprozesse einzubinden. Voraussetzung dafür sind konsistente Daten und standardisierte Abläufe, die durch die schrittweise Vereinfachung der ERP-Landschaft entstehen sollen.
Nach Angaben des Unternehmens nutzt Swarovski KI bereits für Nachfrageprognosen. Auf dieser Grundlage werden Lagerbestände über verschiedene Regionen hinweg optimiert, um das Kundenerlebnis zu verbessern.
Darüber hinaus arbeitet Swarovski mit der Initiative AI Agent Factory daran, Daten aus SAP Cloud ERP Private mit Informationen aus Nicht-SAP-Systemen zu verknüpfen. Dadurch sollen KI-Agenten stärker in bestehende Prozesse eingebunden werden.
Lea Sonderegger beschreibt die Zielsetzung so:
„Wir nutzen Künstliche Intelligenz nicht als eigenständige Technologie, sondern als integrierte Fähigkeit, die Geschäftsprozesse funktionsübergreifend ergänzt.
Ziel ist es, repetitive Aufgaben zu automatisieren, die Entscheidungsfindung zu unterstützen und die Produktivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern.“
Die Einführung von SAP Cloud ERP Private war für Swarovski damit nicht das Ende eines IT-Projekts, sondern der Beginn einer langfristigen Business Transformation. Die Migration schafft nach Angaben des Unternehmens die technische Grundlage, auf der Standardisierung, Datenharmonisierung und der schrittweise Ausbau von KI-Anwendungen künftig aufbauen sollen.
it&d business Redaktion





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