AVL steuert KI-Agenten mit „Bit Crew“
Aktualisiert: 2. Sept.
Mit dem gemeinsam mit Microsoft entwickelten Agentic Coding Framework „Bit Crew“ bindet AVL KI-Agenten in einen strukturierten Softwareentwicklungsprozess ein. Von der Anforderung bis zur Validierung übernehmen Agenten einzelne Aufgaben, während Freigaben und Qualitätsverantwortung beim Menschen bleiben. Das Modell soll noch in diesem Jahr auf alle Softwareentwickler bei AVL ausgeweitet werden.

KI schneller Code schreiben zu lassen, löst für Unternehmen nur einen Teil der Aufgabe. In industriellen Entwicklungsumgebungen muss der erzeugte Code auch Anforderungen entsprechen, überprüfbar bleiben und bestehende Vorgaben für Sicherheit, Compliance und Qualität erfüllen. AVL hat deshalb gemeinsam mit Microsoft das Agentic Coding Framework „Bit Crew“ entwickelt. Dabei arbeiten nicht einzelne Entwickler isoliert mit KI-Assistenten. Stattdessen werden mehrere spezialisierte Agenten in einen festgelegten Entwicklungsprozess eingebunden – mit definierten Aufgaben, menschlichen Kontrollpunkten und automatisierter Validierung.
Vom Requirement zur Aufgabe für die KI-Agenten
Der Prozess beginnt bereits beim Kundengespräch. Daraus werden zunächst KI-gestützt strukturierte Transkripte erstellt, die als Grundlage für Funktionsspezifikationen dienen. Bevor der Prozess weiterläuft, werden diese von Requirements-Experten bei AVL geprüft und freigegeben.
Anschließend übernimmt ein Planner Agent. Er ergänzt die Spezifikation mit Informationen aus einem unternehmensweiten Knowledge Graph, Richtlinien und Dokumentationen sowie wiederverwendbaren Skills. Zudem legt er fest, welche Modelle sich für die jeweiligen Aufgaben eignen.
Ein Orchestrator Agent verteilt die daraus entstehenden Arbeiten zunächst auf eine kleine Anzahl von Agenten innerhalb der „Bit Crew“. Die Zahl der eingesetzten Agenten ist dabei nicht statisch vorgegeben. Auf Basis der Iterationen wird sie schrittweise an die jeweilige Aufgabe angepasst.
Entscheidend für das Modell ist, dass die Agenten den Entwicklungsprozess nicht vollständig autonom durchlaufen. Bevor ein Ergebnis weiterverarbeitet wird, kontrolliert ein sogenannter Function Builder – eine verantwortliche Entwicklerin oder ein verantwortlicher Entwickler – die Umsetzung manuell.
Erst danach kommen automatisierte Validator Agents zum Einsatz. Sie überprüfen Sicherheit, Compliance, Codequalität und Testevidenz. KI übernimmt damit vorbereitende, ausführende und kontrollierende Aufgaben an verschiedenen Stellen des Prozesses, die Verantwortung für Bewertung und Freigabe verbleibt jedoch beim Menschen.
AVL berichtet von höherer „Change Stability“
Mit diesem Ansatz will AVL nicht nur einzelne Coding-Aufgaben beschleunigen, sondern die Nutzung von KI in einen reproduzierbaren Entwicklungsprozess überführen. Mehrere Agenten können Aufgaben parallel bearbeiten, während die einzelnen Schritte weiterhin definierten Kontroll- und Governance-Mechanismen unterliegen.
Nach Angaben von AVL benötigen aktive Nutzer des Frameworks für Entwicklungsaufgaben deutlich weniger Aufwand. Wie groß diese Einsparungen konkret ausfallen, geht aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht hervor.
Auch bei der Softwarequalität berichtet AVL von Verbesserungen. Als Kennzahl verwendet das Unternehmen die sogenannte „Change Stability“. Sie beschreibt den Anteil von Code-Änderungen, für die in den nachfolgenden Releases kein technischer Folge-Change notwendig ist. Dieser Wert habe sich nach internen Messungen von AVL spürbar verbessert. Konkrete Vergleichswerte nennt das Unternehmen auch hier nicht.
Die gewonnene Zeit soll zudem stärker auf Entwicklungsarbeit konzentriert werden, die tatsächlich Geschäftsnutzen erzeugt. AVL verweist dabei auf eigene interne Auswertungen, wonach nicht jedes entwickelte Feature automatisch direkten Mehrwert schafft.
Bislang arbeitet nur eine begrenzte Zahl von „Pionieren“ bei AVL aktiv mit dem Framework. Das soll sich noch 2026 ändern: Ziel ist, dass alle Softwareentwicklerinnen und Softwareentwickler des Unternehmens mit einer eigenen „Bit Crew“ arbeiten und die Rolle des sogenannten Function Builders übernehmen.
Microsoft liefert die technische Plattform
Technische Basis des Frameworks ist Azure AI Foundry. Die Microsoft-Plattform wird für Aufbau, Steuerung und Skalierung der KI-Agenten eingesetzt. Hinzu kommen Azure OpenAI, GitHub Copilot sowie Identitäts- und Governance-Komponenten von Microsoft.
Die Rollen der beiden Unternehmen sind dabei unterschiedlich: AVL bringt Domänenwissen sowie die Entwicklungs- und Qualitätsanforderungen aus dem industriellen Umfeld ein und hat darauf das konkrete Betriebsmodell aufgebaut. Microsoft stellt die zugrunde liegende Technologie bereit.
„Bit Crew“ ist nicht die einzige Zusammenarbeit der beiden Unternehmen in der Softwareentwicklung. AVL und Microsoft arbeiten auch an cloudbasierten Lösungen und End-to-End-Traceability für Software-defined Vehicles.
Interessant am Framework ist vor allem die organisatorische Konsequenz aus dem Einsatz von Coding-Agenten: AVL versucht nicht, möglichst viele Entwicklungsschritte vollständig zu automatisieren. Stattdessen werden KI-Agenten in einen bestehenden Prozess aus Anforderungen, Planung, Umsetzung, menschlicher Freigabe und automatisierter Qualitätssicherung eingebettet.
Damit verschiebt sich auch die Rolle der Entwickler. Im von AVL beschriebenen Modell sollen sie weniger ausschließlich selbst Code produzieren, sondern als „Function Builder“ die Arbeit der Agenten prüfen und verantworten.
it&d business Redaktion





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