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Deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf europäische Software

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Die Bereitschaft deutscher Unternehmen, europäische Software einzusetzen, hat sich innerhalb eines Jahres deutlich verändert. Laut der Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“ von Myra Security schließen nur noch 4,6 Prozent der befragten IT-Entscheider den Einsatz europäischer Lösungen aus. Gleichzeitig gewinnt das Thema digitale Souveränität in Deutschland, Frankreich und den nordischen Ländern weiter an Bedeutung.



Medienstammtisch Cybersicherheit 2026 (Foto: Nicolas Armer/Arctic Narratives)
Medienstammtisch Cybersicherheit 2026 (Foto: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Immer mehr Unternehmen in Deutschland beschäftigen sich mit der Einführung europäischer Software. Das geht aus der Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“ hervor, die der Münchner Cybersicherheitsanbieter Myra Security auf dem Tech-Event „Bots & Brews“ vorgestellt hat. Für die Untersuchung wurden 1.007 IT-Entscheider in Deutschland, 504 Entscheider in Frankreich sowie 307 Entscheider in den nordischen Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland befragt.


Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Nur noch 4,6 Prozent der befragten IT-Entscheider in Deutschland schließen die Einführung europäischer Software grundsätzlich aus. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil noch bei 47,7 Prozent. Gleichzeitig geben 39,7 Prozent der Unternehmen an, sich derzeit in der Einführung europäischer Software zu befinden. Im Vorjahr waren es 20,4 Prozent. Deutschland liegt damit knapp vor Frankreich, wo 38,5 Prozent der Unternehmen europäische Lösungen einführen, sowie vor den nordischen Ländern mit 35,5 Prozent.



Breite Zustimmung zu europäischer Digitaltechnologie


Die Studie zeigt zudem eine hohe Unterstützung für europäische Digitalprodukte im öffentlichen Sektor und bei Betreibern kritischer Infrastrukturen. In Frankreich sprechen sich 93,6 Prozent der befragten IT-Entscheider dafür aus. In den nordischen Ländern liegt die Zustimmung bei 88,9 Prozent, in Deutschland bei 87,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert in Deutschland damit nochmals gestiegen – 2025 lag er noch bei 84,4 Prozent.


(v.l.n.r.): Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor des cyberintelligence institute und Professor für IT-Sicherheitsrecht an der Hochschule Bremen, Alexandre Vulic, Französischer Generalkonsul in München, Andrea Lindholz (CSU), MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Leonhard Kugler, Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) und Paul Kaffsack, Geschäftsführer Myra Security. (Foto: Nicolas Armer/Arctic Narratives)
(v.l.n.r.): Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Forschungsdirektor des cyberintelligence institute und Professor für IT-Sicherheitsrecht an der Hochschule Bremen, Alexandre Vulic, Französischer Generalkonsul in München, Andrea Lindholz (CSU), MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Leonhard Kugler, Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) und Paul Kaffsack, Geschäftsführer Myra Security. (Foto: Nicolas Armer/Arctic Narratives)

Im Rahmen der Vorstellung der Studienergebnisse verwies Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kommission zu digitaler Souveränität, auf die strategische Bedeutung europäischer Technologien. Sie erklärte:

„Unsere Daten sind das Gold der Gegenwart und der Zukunft. Insbesondere der Deutsche Bundestag sitzt auf dem größten Datenschatz des ganzen Landes. Wenn der Deutsche Bundestag bei digitaler Souveränität Vorbild sein will, braucht es den Mut stärker auf deutsche und europäische Lösungen zu setzen."

Auch geopolitische Entwicklungen beeinflussen nach den Ergebnissen der Studie die Prioritäten vieler Unternehmen. Im Durchschnitt gibt rund die Hälfte der europäischen IT-Entscheider an, ihren Fokus auf digitale Souveränität infolge aktueller geopolitischer Entwicklungen verstärkt zu haben.


Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass dies nicht automatisch mit einer Abkehr von US-Technologien verbunden ist. So geben 24,8 Prozent der befragten IT-Entscheider in Frankreich an, infolge geopolitischer Ereignisse verstärkt auf US-Software zu setzen. In Deutschland liegt dieser Wert bei 19,8 Prozent, in den nordischen Ländern bei 16,9 Prozent.



Cybersicherheit, KI und Cloud als zentrale Handlungsfelder


Besonders wichtig ist digitale Souveränität nach Einschätzung der befragten Unternehmen in den Bereichen Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Im Bereich Cybersicherheit nennen dies 57,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider als wichtigstes Technologiefeld. In Frankreich liegt der Anteil bei 57,1 Prozent, in den nordischen Ländern bei 68,4 Prozent.


Auch Künstliche Intelligenz zählt in allen untersuchten Regionen zu den Schwerpunkten. In Deutschland bewerten 50,1 Prozent der Befragten digitale Souveränität im KI-Umfeld als besonders wichtig. In Frankreich sind es 52,4 Prozent, in den nordischen Ländern 48,6 Prozent.


Leonhard Kugler, Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDis), sieht die Studienergebnisse als Bestätigung für den wachsenden Bedarf an europäischen Lösungen:

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was wir in der Praxis täglich erleben: Der Bedarf an digitaler Souveränität ist groß. Jetzt geht es darum, diese umzusetzen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass wir alles selbst entwickeln müssen. Wir brauchen aber auf jeder Ebene europäische Alternativen. Sprich, einen souveränen German-Stack."


Hohe Migrationskosten bleiben eine Herausforderung


Trotz der gestiegenen Bereitschaft zur Einführung europäischer Software sehen viele Unternehmen den Wechsel als anspruchsvoll an. Als größte Hürde nennen 34,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider hohe Migrationskosten. Darüber hinaus werden fehlende Informationen über verfügbare europäische Alternativen als weiteres Hindernis für einen Technologiewechsel genannt.


Dennoch fällt der Ausblick vieler Unternehmen positiv aus. Mehr als die Hälfte der befragten IT-Entscheider in Deutschland (54,6 Prozent) hält es für realistisch, dass Europa bis zum Jahr 2035 eine strukturelle digitale Unabhängigkeit erreichen kann. In den nordischen Ländern teilen 64,5 Prozent diese Einschätzung, in Frankreich liegt der Wert bei 46,4 Prozent.

Die Ergebnisse der Studie deuten damit auf eine veränderte Haltung gegenüber europäischen Softwarelösungen hin. Während die Zustimmung zu digitaler Souveränität in allen untersuchten Regionen hoch ist, unterscheiden sich die Länder sowohl bei der Geschwindigkeit der Einführung europäischer Technologien als auch bei der Einschätzung ihrer langfristigen Erfolgsaussichten. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Unternehmen den Aufbau digitaler Souveränität als langfristigen Prozess betrachten, der neben politischen Rahmenbedingungen auch Investitionen und Informationen über verfügbare europäische Alternativen erfordert.



it&d business Redaktion



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