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TrendAI beobachtet wachsenden Markt für Insider-Zugänge

  • vor 12 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Cyberkriminelle setzen zunehmend auf den Kauf vertrauenswürdiger Unternehmenszugänge statt auf klassische Hackerangriffe. Eine zweijährige Analyse von TrendAI zeigt, dass sich rund um sogenannte „Insider-as-a-Service“-Angebote ein organisierter Untergrundmarkt mit Vermittlern, Festpreisen und langfristigen Geschäftsbeziehungen entwickelt hat.



Fotos:TrendAI
Fotos:TrendAI

Der Zugang zu Unternehmen erfolgt für Cyberkriminelle zunehmend über Menschen statt über technische Schwachstellen. Zu diesem Ergebnis kommt der Report „The Market for Trust: How Cybercriminals Recruit Corporate Insiders“ von TrendAI. Die Untersuchung basiert auf einer zweijährigen Analyse von Untergrundforen und Telegram-Kanälen und beschreibt, wie sich der Handel mit Insider-Zugängen professionalisiert hat. Demnach werden Mitarbeitende gezielt angeworben, um reguläre Zugriffsrechte für kriminelle Zwecke zu nutzen. Im Fokus stehen insbesondere Beschäftigte aus Banken, Telekommunikationsunternehmen, Social-Media-Plattformen und dem Gesundheitswesen. Der Report beschreibt diese Entwicklung als arbeitsteiligen Markt mit Brokern, Treuhanddiensten und langfristigen Geschäftsbeziehungen.



Insider-Zugänge werden zur handelbaren Ware


Nach den Erkenntnissen der TrendAI-Forscher Mayra Rosario Fuentes, Stephen Hilt und David Sancho hat sich aus einzelnen Insider-Fällen ein eigenständiger Untergrundmarkt entwickelt. Vermittler bringen Auftraggeber und potenzielle Insider zusammen, während Preislisten, Gewinnbeteiligungen und Vermittlungsprämien die Zusammenarbeit strukturieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Mitarbeitende mit möglichst weitreichenden Zugriffsrechten, sondern Beschäftigte mit konkreten Entscheidungskompetenzen. Gesucht werden Personen, die beispielsweise Zahlungen freigeben, Konten wiederherstellen oder Betrugsprüfungen umgehen können – Aufgaben, die sich von außen kaum glaubwürdig nachbilden lassen.

Der Report beschreibt darüber hinaus einen wachsenden Markt standardisierter Insider-Dienstleistungen. Dazu zählen unter anderem das Entsperren gesperrter Social-Media-Konten, die Manipulation von Sendungsverfolgungen oder das Erschleichen von Rabatten. Für solche Leistungen existieren nach Angaben der Autoren feste Preise, garantierte Bearbeitungszeiten und teilweise sogar Wiederverkäuferprogramme. Gleichzeitig rücken Unternehmen aus der KI-Branche verstärkt in den Fokus, da dort wertvolle Modelldaten, Trainingsmaterialien und privilegierte Zugänge verfügbar sind.



Telekommunikation, Social Media und Finanzwesen besonders betroffen


Der Report untersucht Insider-Rekrutierung branchenübergreifend – von Behörden und Gesundheitseinrichtungen über Telekommunikation, Finanzwesen und Industrie bis hin zu Logistik, Einzelhandel und Bewertungsplattformen. Besonders detailliert werden die Bereiche Telekommunikation, Social Media und Finanzdienstleistungen betrachtet.

Im Telekommunikationssektor dokumentiert die Untersuchung den Handel mit Insider-Zugängen für sogenannte SIM-Swapping-Angriffe. Bestochene Mitarbeitende können dabei Rufnummern auf neue SIM-Karten übertragen und dadurch SMS-basierte Zwei-Faktor-Authentifizierungen umgehen. Nach Angaben des Reports werden für entsprechende Insider bei Verizon, T-Mobile oder AT&T bis zu 20.000 US-Dollar sowie zusätzlich 20 Prozent Gewinnbeteiligung gezahlt. Als Beispiel verweist die Untersuchung auf einen Fall aus den USA, bei dem die Staatsanwaltschaft Manhattan im November 2025 Anklage gegen einen SIM-Swapping-Ring erhob. Die Gruppe soll gemeinsam mit bestochenen Mitarbeitenden von AT&T und T-Mobile rund 435.000 US-Dollar von vier Opfern erbeutet haben.


Im Bereich Social Media bieten Insider laut Report unter anderem die Reaktivierung gesperrter Konten bei Meta, TikTok oder X für Beträge zwischen 1.000 und mehr als 7.000 US-Dollar an oder ermöglichen die Freigabe betrügerischer Werbeanzeigen. Als Beispiel verweist TrendAI auf den Missbrauch des internen Meta-Tools „Oops“, der Ende 2022 bei mehr als zwei Dutzend Mitarbeitenden und Vertragspartnern zu Entlassungen oder anderen disziplinarischen Maßnahmen führte. 2023 reichte Meta zudem Klage gegen mutmaßliche Vermittler ein.





Finanzbranche und Unternehmen müssen Insider-Risiken neu bewerten


Auch im Finanzsektor dokumentiert der Report konkrete Angebote. So wurde in einem Untergrundforum ein dreijähriger Insider-Zugang zur Buchhaltung eines Unternehmens mit einem Jahresumsatz von 25 Millionen US-Dollar angeboten. Das Startgebot lag bei 25.000 US-Dollar. Für die Vermittlung bestechlicher Mitarbeitender bei Kryptobörsen wie Binance oder Robinhood wurden nach Angaben der Autoren Kopfgelder von bis zu 5.000 US-Dollar beziehungsweise alternativ 15 Prozent Beteiligung am Erlös ausgelobt.

Nach Einschätzung der Studienautoren verändert diese Entwicklung den Blick auf Insider-Bedrohungen. Während diese bislang häufig mit unzufriedenen Beschäftigten oder menschlichen Fehlern in Verbindung gebracht wurden, beobachten die Forscher zunehmend organisierte Rekrutierungsprozesse über Untergrund-Marktplätze. Vertrauenswürdige Unternehmenszugänge werden dabei gezielt als handelbare Dienstleistung angeboten.


Den vollständigen Report „The Market for Trust: How Cybercriminals Recruit Corporate Insiders“ mit weiteren Analysen, Fallbeispielen und Hintergrundinformationen können Sie hier herunterladen.



it&d business Redaktion



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