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Vom MES-Pionier zur Agentic Factory: „Alte Denkmuster müssen wir beiseitelegen“

vor 1 Stunde
3 Min. Lesezeit

35 Jahre Industrie Informatik stehen auch für 35 Jahre Wandel in der industriellen IT. Im Interview spricht Thomas Krainz, Member of the Board & Strategic Product Management, darüber, warum MES vom Produktivitätswerkzeug zum strategischen Faktor geworden ist, wo KI in der Fertigung tatsächlich Mehrwert schafft und weshalb die Zukunft der Produktionssoftware in agentischen Architekturen liegen könnte.




Foto: Industrieinformatik
Foto: Industrieinformatik

Was 1991 noch weitgehend Domäne von Produktionsleitung und Arbeitsvorbereitung war, ist heute auf der strategischen Agenda der Industrie angekommen: Produktionssoftware entscheidet zunehmend darüber mit, wie effizient, flexibel und wettbewerbsfähig Unternehmen fertigen können. Industrie Informatik aus Linz hat diesen Wandel über dreieinhalb Jahrzehnte begleitet – von zeichenbasierten Unix-Anwendungen über Client-Server-Systeme bis hin zu Cloud-, Edge- und IIoT-Architekturen.


Mit KI und agentischen Systemen zeichnet sich nun der nächste Technologiesprung ab. Für Thomas Krainz bedeutet das allerdings nicht, bewährte Prinzipien über Bord zu werfen oder jedem Technologietrend hinterherzulaufen. Entscheidend seien konkrete Use Cases, belastbare Datenarchitekturen und ein klarer wirtschaftlicher Nutzen. Im Interview erklärt er, warum nicht jede Maschine Predictive Maintenance braucht, welche Rolle deterministische Systeme auch künftig spielen und wie sich Industrie Informatik vom klassischen MES-Anbieter in Richtung einer skalierbaren Manufacturing Agent Platform entwickeln will.



Industrie Informatik blickt 2026 auf 35 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Welche unternehmerischen Entscheidungen waren rückblickend die wichtigsten für die langfristige Entwicklung des Unternehmens?


Finanzielle und strategische Unabhängigkeit. Kontinuität bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten. Standardisierung und Releasefähigkeit der Software verbunden mit am Markt anerkannter Lösungs- und Einführungskompetenz.

 


Viele Technologieunternehmen verändern sich rasant oder verschwinden wieder vom Markt. Was braucht es aus Ihrer Sicht, um über Jahrzehnte relevant zu bleiben?


Für einen mittelständischen Softwarehersteller ist es wesentlich, fokussiert an der Entwicklung seiner Produkte und Dienstleistungen zu Arbeiten. Es ist wichtig nicht jeden Markt- Trend sofort zu folgen und vor allem auch das Ohr beim Kunden zu haben. Technologisch sollte auf den Einsatz von Industriestandards von namhaften Basistechnologieherstellern geachtet werden.

 


Wie hat sich der Stellenwert von Produktionssoftware in den strategischen Entscheidungen industrieller Unternehmen verändert?


In den frühen MES-Jahren sahen die meisten Unternehmen eine MES als möglichen Wettbewerbsvorteil oder als ein System zur Produktivitätssteigerung. Entscheidungen fanden meist in einem kleineren Kreis um die Produktionsleitung und Arbeitsvorbereitung statt. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Initiativen wie I40 rückten MES und OT auch im C-Level der Unternehmen in eine gesamtheitlich strategische Betrachtung. KI und Robotic geben diesem Thema noch eine weitere Bedeutung und haben für viele Unternehmen mittlerweile einen existentiellen Stellenwert.

KI und Robotics haben für viele Unternehmen mittlerweile einen existenziellen Stellenwert.

 


Industrie Informatik hat mehrere Technologiewellen erlebt – von klassischen ERP-Integrationen bis hin zu Cloud-, Edge- und IIoT-Architekturen. Welche Fähigkeit muss ein Softwareunternehmen entwickeln, um über Jahrzehnte innovationsfähig zu bleiben?


Industrie Informatik hat von zeichenbasierten Unix-Anwendungen über Client Server Anwendungen bis zur Cloud Architektur alle Technologiesprünge der letzten 40 Jahre durchlaufen.

Die Herausforderung bei der Entwicklung eines Standardprodukts ist, dass man zum richtigen Zeitpunkt notwendige Technologiesprünge mit Erhaltung der wertvollen Businesslogik und Benutzerakzeptanz für neu UI’s Schaft.

Die evolutionäre Weiterentwicklung der Software zählt zu einer der größten Herausforderungen für einen Standardsoftware Hersteller.


Viele Unternehmen diskutieren derzeit über KI in der Produktion. Wo sehen Sie heute bereits realistischen Mehrwert – und wo wird das Potenzial noch überschätzt?


Der Mehrwert entsteht durch gelöste Pain Points und verbesserter Effizienz und somit Kosteneinsparungen. Man sollte vor jedem KI- Projekt eine Kosten/Nutzen Betrachtung durchführen.

Nicht jeder Maschine braucht eine predictive maintanance!

Prinzipiell gibt keine schlechten KI-Usecases, sehr wohl aber schlechte Umsetzungen welche oft wegen unzureichender Datenqualität, mangelnder konsequenter Verfolgung der Ziele und auch wegen falsch eingesetzter Kosten/Nutzenrelation zu Enttäuschung bei den Auftraggebern führen

 


Wenn Sie heute ein MES-Unternehmen neu gründen würden: Welche technologischen Prioritäten würden Sie im Jahr 2026 setzen?


Eine nicht einfache Frage, weil derzeit sehr viel in Bewegung ist.

Ich würde alte Design Pattern und Denkmuster beiseitelegen und basierend auf agentischen Architekturen mit Betrachtung von ausgewählten Usecases mit klar definiertem Mehrwert beginnen.

Es sollte aber auch genau geprüft werden welche Funktionen und Abläufe deterministischen Charakter erfordern. Auf KI-fähige Datenarchitekturen und -Technologien muss ein größeres Augenmerk gelegt werden, als es bei den bisher üblichen relationalen Datenmodellen monolithischer Systeme üblich war.

 


Wo sehen Sie Industrie Informatik in den nächsten zehn Jahren – technologisch, organisatorisch und international?


Industrie Informatik wird mit einer skalierbaren Manufacturing Agent Plattform Produktionsunternehmen weltweit befähigen, ihre Fertigungsprozesse ganzheitlich zu digitalisieren, zu optimieren und zu vernetzen. Wir werden international diversifiziert mit einer starken Partnerstruktur und einer robusten und krisenfesten Erlösstruktur im internationalen Wettbewerb nachhaltig erfolgreich und profitabel agieren.



it&d business Redaktion


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