A1 nutzt Mobilfunknetz als Datenquelle für präzisere Wetterprognosen
- 20. Juni
- 3 Min. Lesezeit
A1 setzt gemeinsam mit Skyfora und Nokia eine neue Lösung zur Erfassung atmosphärischer Daten im Mobilfunknetz ein. Dabei werden bestehende 5G-Standorte zu Sensoren für Wetterbeobachtungen. Erste Standorte in Österreich und Slowenien liefern bereits Daten für Analysen nahezu in Echtzeit. Ziel ist eine verbesserte Vorhersage kurzfristiger und lokaler Wetterereignisse, insbesondere in alpinen Regionen.

Die Rolle von Mobilfunknetzen entwickelt sich zunehmend über die Bereitstellung von Konnektivität hinaus. A1 nutzt gemeinsam mit dem finnischen Unternehmen Skyfora und Nokia bestehende Netzstandorte zur Erfassung von Wetterdaten. Im Mittelpunkt steht eine Technologie, die GNSS-Signale analysiert und daraus Rückschlüsse auf atmosphärische Bedingungen ermöglicht. Mehrere Standorte in Österreich sowie ein Standort von A1 Slowenien sind bereits in das Projekt eingebunden und liefern erste Daten für Wetteranalysen.
Mobilfunkstandorte werden zu Sensoren
Im Rahmen laufender Tests werden bestehende 5G-Standorte für die kontinuierliche Erfassung atmosphärischer Daten genutzt. Die eingesetzte Technologie basiert auf der Analyse von GNSS-Signalen, die an den Mobilfunkstandorten empfangen werden. Während ihrer Ausbreitung durch die Atmosphäre werden diese Signale unter anderem durch Luftfeuchtigkeit beeinflusst.

Durch die Auswertung dieser Veränderungen lassen sich laut den Projektpartnern präzise Rückschlüsse auf den Wasserdampfgehalt der Atmosphäre ziehen. Dieser gilt als wichtiger Parameter für die Entstehung von Niederschlag, Gewittern oder Nebel. Die Wetterdaten werden dabei direkt über die bestehende Infrastruktur gewonnen, zusätzliche Sensorik oder neue Standorte sind laut Angaben des Unternehmens nicht erforderlich.
Bereits ausgestattet wurden mehrere Standorte rund um die Seetaler Alpen in Kärnten, darunter Röthelstein, Weißkirchen, St. Georgen ob Judenburg, Turrach und Metnitz. Darüber hinaus ist ein Standort von A1 Slowenien Teil des Projekts.
„Wir entwickeln unser Netz konsequent weiter und erschließen gezielt neue Fähigkeiten, die über klassische Konnektivität hinausgehen. Gemeinsam mit Skyfora und Nokia zeigen wir, wie sich bestehende Infrastruktur systematisch erweitern lässt, um zusätzliche Daten für präzisere Wetterprognosen zu gewinnen. Entscheidend ist dabei, dass diese Daten dort entstehen, wo sie benötigt werden – mit hoher geografischer Auflösung und ohne zusätzliche Infrastruktur. Das eröffnet neue Möglichkeiten, kurzfristige Wetterentwicklungen präziser zu erfassen und besser zu verstehen“,
sagt Christian Laqué, CTO von A1 Österreich.

Fokus auf lokale Wetterereignisse
Die erhobenen Daten sollen bestehende Wettermodelle ergänzen. Besonders relevant sind sie nach Angaben der Projektpartner für kurzfristige und lokal begrenzte Wetterereignisse. Gerade in alpinen Regionen stellen kleinräumige und rasch wechselnde Wetterlagen eine besondere Herausforderung für Prognosen dar.
Eine höhere räumliche Auflösung der Messdaten könnte dazu beitragen, Wetterentwicklungen genauer zu erfassen. Als mögliche Anwendungsfelder nennt A1 unter anderem die frühere Erkennung von Sturzfluten, die Optimierung des Betriebs von Wasserkraftwerken sowie die Verringerung wetterbedingter Ausfälle kritischer Infrastrukturen.
Von präziseren lokalen Wetterinformationen könnten demnach Energieversorger, Betreiber von Verkehrsmanagementsystemen sowie Rettungsorganisationen profitieren, da diese ihre Planungs- und Entscheidungsprozesse auf einer breiteren Datengrundlage aufbauen können.
Datenplattform auf bestehender Infrastruktur
Die Zusammenarbeit zwischen A1, Skyfora und Nokia zeigt einen Ansatz, bestehende Telekommunikationsinfrastruktur für zusätzliche datenbasierte Anwendungen zu nutzen. Skyfora bringt dabei eine Technologie ein, die GNSS-Empfänger in Mobilfunknetzen für Wetterbeobachtungen verwendet. Die gewonnenen Daten sollen insbesondere die Qualität KI-basierter Wettermodelle unterstützen.
Nokia sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie Telekommunikationsnetze neben ihrer klassischen Funktion als Kommunikationsinfrastruktur auch Daten für weitere digitale Anwendungen bereitstellen können. Die Nutzung vorhandener Netzressourcen steht dabei im Mittelpunkt des Ansatzes.
Mit den ersten Standorten in Österreich und Slowenien befindet sich das Vorhaben derzeit in einer Testphase. Ziel ist es, zusätzliche Wetterdaten nahezu in Echtzeit bereitzustellen und damit die Grundlage für genauere lokale Wettervorhersagen zu schaffen. Die Initiative zeigt zugleich, wie Mobilfunknetze für neue datengetriebene Anwendungsfelder erschlossen werden können, ohne dass dafür zusätzliche physische Infrastruktur aufgebaut werden muss.
it&d business Redaktion





Kommentare