SAP: Wenn Business AI zum Schwungrad für Unternehmen wird
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Andreas J. Wagner, Managing Director von SAP Österreich, und Andreas Thon, Regional Business Suite Leader MEE bei SAP, im Business Leader Interview –darüber, wie SAP das enorme Potenzial von KI für die Kunden auf einem neuen Experience-Level nutzbar machen will.

Beim ersten SAP Connect Day Vienna 2026, Österreichs größtem Business-Event für digitale Transformation, präsentierte SAP gemeinsam mit 25 Partnern neue Möglichkeiten digitaler Technologien für die heimische Wirtschaft. Mehr als 20 führende Unternehmen gaben dabei Einblick in ihre Digitalstrategien und zeigten Best-Practice-Beispiele für den Einsatz dieser neuen Technologien. Ein Thema stand dabei quer durch alle Branchen, Unternehmensbereiche und Use Cases im Fokus: Künstliche Intelligenz.
Ein perfekter Aufhänger für ein Business-Leader-Gespräch mit Andreas J. Wagner, Managing Director von SAP Österreich, und Andreas Thon, Regional Business Suite Leader MEE bei SAP.
Es gibt kaum ein Thema, bei dem KI nicht neues Potenzial erschließt – ist sie also nun endgültig auch in der Praxis als echter, universeller Game Changer abgekommen?
Andreas J. Wagner: Es gibt heute für Unternehmen eine ganz große Herausforderung – und das ist Resilienz.
Ich muss mögliche Disruptionen frühzeitig erkennen und so schnell wie möglich darauf reagieren können. Dafür ist lückendichtes Monitoring entscheidend – Monitoring der Lieferketten, Warenströme und Finanzströme. Und dabei leistet KI schon heute entscheidende Unterstützung, ...
indem sie extrem schnell sehr gute Analysen liefert und bei möglichen Ausfällen frühzeitig Lösungsvorschläge präsentiert. So kann man rasch die richtigen Entscheidungen treffen. Gerade beim Thema Supply Chains ist ja heutzutage die Disruption quasi das „New Normal" geworden. Wenn beispielsweise Lieferanten wegbrechen, muss ich heute keine zeitaufwendigen Recherchen mehr anstellen, um passende Alternativen zu finden, sondern bekomme von der KI sofort einen Vorschlag. Und das gilt quer über alle Geschäftsbereiche hinweg.
Andreas Thon: Die Zahlen untermauern die entscheidende Rolle, die KI heute schon spielt und künftig noch viel stärker spielen wird. Die aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass KI in den nächsten zehn Jahren bis zu zehn Billionen US Dollar zusätzlich zum globalen Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften wird.
Das enorme Potenzial, das KI bietet, erzeugt auf der anderen Seite allerdings auch ebenso enormen Erwartungsdruck in den Unternehmen.
Andreas Thon: KI bringt auch eine große Herausforderung mit sich und die heißt Return on Investment – schließlich investierst du ja in KI, um dein Unternehmen besser zu machen und um neuen Mehrwert zu generieren. Die global agierenden Unternehmen haben bis Ende 2025 im Durchschnitt jeweils ungefähr 27 Millionen Dollar in das Thema AI investiert: in die Software, in Infrastruktur, in Human Resources und in Beratung. Wenn man das macht, erwartet man sich natürlich höhere Effektivität, höhere Produktivität und eine bessere Basis für Entscheidungen. Tatsächlich ist es aber so, dass der RoI bislang im Durchschnitt nur 16 Prozent beträgt – und das ist für viele natürlich ein enttäuschender Wert.

Was sind die Gründe dafür?
Andreas Thon:
Es gibt aus unserer Sicht drei Kernbarrieren für Erfolg im KI-Umfeld: Die erste Barriere ist die Datenqualität, die zweite sind gewachsene Silos, die nicht miteinander kommunizieren. Und die dritte Barriere ist die Komplexität, die sich daraus ergibt.
Um diese Barrieren zu überwinden, braucht man eine durchgängige Lösung beziehungsweise eine einheitliche Plattform, die unternehmensweiten Kontext hat und die End2End Prozesseffektivität, Effizienz und eine einheitliche Experience liefert.
Die Herausforderung KI stellt sich für alle Unternehmensgrößen – gerade mittelständische Unternehmen haben es bei der Umsetzung neuer Themen aber aufgrund zumeist mangelnder Ressourcen in der Regel nicht leicht. Was sind hier aus Ihrer Sicht aktuell die wichtigsten Erfolgsfaktoren und wie unterstützt SAP den Mittelstand, um diese Challenge zu meistern?
Andreas J. Wagner:
Gerade für den Mittelstand spielt die Cloud eine entscheidende Rolle – insbesondere, wenn man an eine Public Cloud und an KI-getriebene Lösungen denkt.
Es ist geradezu revolutionär, dass dank der Cloud jetzt auch Mittelstandsunternehmen eine High-End-IT nutzen können, die früher nur Großkonzerne zur Verfügung stand. So profitieren Betriebe jeder Größe von Innovationen, neuen Standards und Best Practices. Mit „RISE with SAP“ eröffnen wir unseren Kunden das ganze Potenzial der Cloud, egal ob Public Cloud, Private Cloud oder Sovereign Cloud. Durch diese Transformation erhalte ich die Voraussetzungen für echte Agilität und Resilienz: die Möglichkeit, Prozesse zu standardisieren und zu skalieren sowie Komplexität massiv zu reduzieren.

Und welche Challenges und Erfolgsfaktoren sind speziell bei Konzernen aktuell zu beobachten?
Andreas J. Wagner: Natürlich haben große Unternehmen ein viel komplexeres Umfeld. Gerade, wenn es um die Transformation mit RISE with SAP geht, haben wir es da oft mit Two-Tier-Szenarien zu tun: Ein Teil der Betriebe, die SAP S4/HANA nutzen – etwa kleinere, nicht ganz so komplexe Tochtergesellschaften – geht zunehmend in die Public Cloud, aber das Kerngeschäft mit all seiner Komplexität wird in der Private Cloud abgebildet. In Konzernen ist es noch schwieriger, genau zu analysieren und zu definieren, welche Daten besonders schützenswert sind und daher eine souveräne Umgebung benötigen. Dafür bietet SAP mit EU Access Only als Zusatzservice beispielsweise auch in einer Public Cloud die Sicherheit, dass alle Daten innerhalb der EU bleiben und auch innerhalb der EU verarbeitet werden.
Wenn es um das Thema KI und vor allem um ihre Integration in Lösungen geht, ist SAP schon lange ganz vorne mit dabei. Inwieweit wurde die rasante Entwicklung der KI in den letzten Jahren für SAP da auch zur Disruption und zum Game Changer für die eigene Strategie?
Andreas Thon: Wir haben unsere Strategie evolutioniert, insbesondere vom letzten zu diesem Jahr. Dabei bauen wir aber weiterhin auf unseren Stärken auf, die seit mehr als 50 Jahren unseren Erfolg im Markt ausmachen. Das sind vor allem die unternehmensweite Analyse und Nutzung von Daten und tiefes Prozess-Know-how quer durch alle Industrien – die Sprache der Kunden in ihrem jeweiligen Business zu sprechen, ist für uns von zentraler Bedeutung. Dasselbe gilt für gegenseitiges Vertrauen und die gelieferte Qualität als Basis für all unsere Kundenbeziehungen. Und genau diese Stärken sind jetzt auch notwendig, wenn man das enorme Potenzial der KI wirklich ausschöpfen will. Auch das machen wir ja schon länger, indem wir über die letzten Jahre mehr als 400 Embedded AI Use Cases in unsere Lösungen integriert und so für unsere Kunden als Standards nutzbar gemacht haben. Jetzt stellen wir Business KI sozusagen als All-in-on-AI ins Zentrum unserer Business Suite – und das ist der nächste Schritt in unserer Evolution.
Wie unterstützt SAP mit der Business Suite die Kunden bei ihrer Transformation ganz konkret?
Andreas Thon:
Die Business Suite kombiniert Applikationen, Datenmanagement und Business KI miteinander und wird dadurch sozusagen zu einem Flywheel, das in Schwung gebracht und permanent in Bewegung gehalten wird.
Es wird mit immer besseren Prozessen und Daten und dadurch auch immer smarterer KI trainiert und kann so auch selbst immer bessere Daten, Entscheidungshilfen und Mehrwerte generieren und das Unternehmen immer intelligenter machen. Gleichzeitig liefert SAP Business Data Cloud ein wichtiges Kernelement, das in vielen Unternehmen und auch bei vielen anderen Anbietern ein zentrales Problem darstellt – nämlich durchgängiges, konsolidiertes Datenmanagement. Und hier integrieren wir schon länger Business KI, um die Daten AI-ready zu machen. Diese Kombination, zu der wir eine ganze Reihe neuer Zutaten dazufügen, eröffnet wirklich eine neue Ära der Business Suite.

Wie sind diese neuen Zutaten für diese neue Ära?
Andreas J. Wagner: Unsere Business Suite basiert auf Applikationen, die Geschäftsprozesse komplett abbilden – also „end-to-end“ – und die auch bereits sehr erfolgreich im Markt erprobt sind: SAP Signavio für die Transformation von Prozessen, SAP LeanIX für Enterprise Architecture, SAP WalkMe für die Automatisierung von Workflows, SAP Document AI für intelligentes Dokumentenmanagement, Joule for Consultants als KI-Assistant für mehr Produktivität und bessere Entscheidungen und noch mehr – alles basierend auf unserer eigenen, umfassenden Technologieplattform. Jetzt investieren wir massiv, diese komplette Business Suite für immer mehr Kunden nutzbar zu machen.
Andreas Thon:
Unser Ziel ist es, den Weg zur Business Suite durch den Einsatz von KI-Lösungen zeitlich um 35 Prozent zu reduzieren und ihn natürlich auch entsprechend kostengünstiger zu machen.
An dieses Ziel haben wir auch unser Service-Portfolio angepasst, etwa mit Success-Plänen, die wir eingebaut haben, damit unsere Kunden mit KI-Hilfe, aber auch durch Unterstützung mit Expertise diesen Weg sehr rasch gehen können. Ein sehr gutes Beispiel für die Effekte, die in der neuen Ära der Business Suite möglich sind, ist unser KI-Agent Joule: Man kann ihn überall und immer alles fragen – so, wie man es beispielsweise von ChatGPT kennt – das aber im Business Kontext. Der große Unterschied zu Tools wie ChatGPT ist, dass die Antworten, die man erhält, auf Daten basieren, die man im Unternehmen hat, und somit hohe und gesicherte Qualität liefern. Damit ermöglicht Joule – in Kombination mit weiteren KI-Assistenten, die gezielt Prozesse verbessern – eine neue Stufe der User Experience.
Das heißt, damit wäre unsere Einstiegsfrage, ob KI in der Praxis bereits zum echten Game Changer geworden ist, mit einem klares „Ja" beantwortet.
Andreas J. Wagner: Absolut. Und der große Druck, den die Wirtschaft und insbesondere die österreichische Industrie aktuell spüren, trägt dazu bei.
Der Mangel an Ressourcen und an Fachkräften, gerade auch in der IT, schafft eine Bereitschaft für Innovationen, wie es sie unter anderen Umständen wahrscheinlich nicht geben würde. Man ist quasi gezwungen, sich mit dem Thema KI auseinanderzusetzen und es als entscheidenden Motor zu nutzen, ...
wenn man auch in Zukunft Wachstum und letztlich auch Wohlstand für die Gesellschaft schaffen will. Oder in anderen Worten: Wir erleben gerade sinnbildlich, wie Druck auch Diamanten erzeugen kann.
it&d business Redaktion

